Konzertabend bei Johannes Oerding
Ich bin wirklich nicht mit besonders großen Erwartungen in dieses Konzert von Johannes Oerding gegangen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Johannes Oerding und ich habe sein neues Studioalbum “Hotel” absolut abgefeiert als es im März veröffentlicht wurde. Aber trotzdem bin ich vorher nicht besonders aufgeregt gewesen und habe es einfach auf mich zukommen lassen. Meist ist das das beste Rezept für einen unvergesslichen Abend.
Aber von vorn: meine treueste Konzertbegleitung – nennen wir sie “die Komplizin” – und ich haben uns bereits mittags getroffen, sind vorher noch einen Happen essen gewesen auf dem Uber-Platz, unweit von der Halle. Das Wetter war ziemlich schön, strahlend blauer Himmel und das Anfang Mai. Wir haben uns ein wenig Sonne ins Gesicht scheinen lassen und über die vergangenen Wochen gequatscht. Das war alles schon ziemlich schön.
Gegen 16:30 Uhr haben wir dann die paar Schritte zur Uber Arena gemacht. Unser Plan war schon, vorn stehen zu wollen, wir konnten die Lage aber gar nicht einschätzen. Viele Leute waren noch nicht da, vielleicht hundert oder so. Wir haben unsere Chancen gut eingeschätzt.
Ein bisschen sind wir auch mit den Leuten ins Gespräch gekommen, die waren schon alle sehr nett. Ich muss ehrlich sagen, dass ich trotz aller Konzerterfahrung immer noch eine schüchterne Maus bin, ich komme nicht so leicht mit Leuten in Kontakt und bin über die Jahre auch aufgrund vieler nicht so schöner Erfahrungen vorsichtig geworden. Dazu kann ich vielleicht irgendwann mal kommen, aber nicht heute.
Einen kleinen triumphalen Moment hatten wir beide noch, als ein offensichtlich sehr großer Fan uns gefragt hat, wie oft wir Johannes bereits live gesehen haben und es war tatsächlich öfter als er 😀
Gefühlt waren wir da bis eine Stunde vor Einlass die einzigen, die keinen Merchandise getragen und zu einer größeren Gruppe eines Fanclubs gehört haben. Fan bin ich aber doch schon ein paar Jahre und bis jetzt hatte ich immer eine famose Zeit bei Johannes Oerdings Konzerten.
Irgendwann ging es dann rein, der Einlass war tatsächlich mal ganz gut organisiert und daher recht entspannt. Schlussendlich standen wir in der ersten Reihe am Steg und waren damit mehr als zufrieden.
Los ging es dann mit Ian Hooper, der Frontmann der Mighty Oaks ist (oder war?) und hier aber solo ein paar Songs gespielt hat. Ich kannte ihn nur vom Namen, war aber trotzdem nicht ganz unvoreingenommen. Der Grund dafür war, dass ich nicht wirklich ein Fan davon bin, wenn Sänger von Bands plötzlich Soloprojekte starten, bei denen sie aber sehr ähnliche Musik machen.
Es hat mir trotzdem sehr gut gefallen. Er war sehr sympathisch, hat einen Song für seinen Sohn gespielt, wobei er ziemlich emotional wurde und auch sonst gab es keinen Moment, der nicht schön war.
In der Umbaupause haben die Komplizin und ich uns ganz kurz über Johannes’ Sommertour unterhalten. Dafür hatten wir zu diesem Zeitpunkt nichts geplant und ich war mir eigentlich recht sicher, dass es dabei bleiben würde.
Das Konzert ging dann los und es hat von Sekunde eins wirklich alles gepasst. Die neuen Songs haben einfach mega funktioniert und die Stimmung war echt gut. Das ist insbesondere in Berlin nicht immer unbedingt selbstredend. Zwischenzeitlich habe ich mich mal umgesehen und auch auf den Sitzplätzen haben fast alle gestanden.
Insgesamt kann ich nur sagen, dass es nichts gab, was mir nicht gefallen hat. Johannes ist unglaublich sympathisch, ein absoluter Vollblutmusiker und das merkt man einfach. Außerdem liebe ich es, wie wertschätzend er über die Menschen in seiner Band redet und ihnen auch die Zeit und den Raum gibt zu scheinen. Das ist absolut nicht selbstverständlich.
Es gab viele Momente, die diesen Abend rund gemacht haben, ob die Special Guests der Grund dafür waren… für mich nicht unbedingt. Nicht, dass es mir nicht gefallen hat, aber gebraucht hätte ich es trotzdem nicht.
Mark Forster tauchte plötzlich auf und Chöre wurde angestimmt. Die Stimmung ist kurz mal explodiert, das war schon irgendwie cool anzusehen. Ich war aber in erster Linie froh, dass es schnell wieder vorbei gewesen ist. Shame on me hahah.
Sarah Connor war auch da, was ich persönlich als erwartbar empfunden habe. Auf Johannes’ Album haben sie ein gemeinsames Feature und meines Wissens nach war sie auf der Tour noch nicht zu Gast; zudem war es Tourabschluss und soweit ich weiß wohnt sie in Berlin. Ne gute Sängerin ist sie ohne Frage und den Song “Märchen aus Hollywood” hatte ich mit der Zeit auch lieben gelernt. War schon auch ein bisschen schön 🙂
Der dritte Gast war Peter Maffay, der episch über eine Treppe direkt auf den Steg getreten ist, als “Eiszeit” – ebenfalls ein Song auf dem Album und ein Feature von Johannes und Peter – bereits lief. Das war schon überraschend, weil ich gehört hatte, dass er am Vorabend in Leipzig bereits da gewesen war. Gemeinsam haben sie dann noch “Über sieben Brücken” gespielt, da hatte ich echt kurz Gänsehaut. Sind schon zwei tolle Sänger und wenn die zusammen was machen, kann es ja nur gut sein.
Ian Hooper kam dann später auch nochmal und hat mit Johannes gemeinsam “Wolken” gesungen. Das ist das dritte Feature, eigentlich gemeinsam mit Michael Patrick Kelly. Ich glaube, er hatte an dem Abend selbst ein Konzert, sonst wäre der womöglich auch noch vorbei gekommen.
Ich weiß noch, dass Johannes bei diesem Song davon erzählt hat, dass er ihn in Gedenken an seinen verstorbenen Vater geschrieben hat, als er einmal einen feuerroten Himmel gesehen hat. Das hat mich schon ziemlich getroffen und ich fand den Gedanken schön, dass man kurz an seine Liebsten denkt, wenn man einen Sonnenuntergang beobachtet.
Meine Mutter ist gestorben, als ich 26 gewesen bin und ich suche stets und ständig innere Ruhe dabei, Sonnenuntergänge zu beobachten. Es ist schön, so etwas tragisches mit etwas schönem zu verbinden. Daran muss ich echt oft zurück denken. Ist ein schlauer Mann, der Johannes Oerding.
Es gab noch einen für mich persönlich schon sehr kuriosen Moment: Nach einem Song – ich hatte gerade noch applaudiert und irgendwie in der Gegend rumgeguckt – stand Johannes plötzlich genau vor uns. So schnell konnte ich nicht schauen, da war er plötzlich wirklich einen halben Meter von mir entfernt. Er stand im Bühnengraben, hat angedeutet ihm Platz zu machen, damit er durchs Publikum nach hinten zur B-Stage laufen kann. Die Komplizin und ich haben wirklich PANISCH unsere Becher, die auf dem Boden standen, weggenommen und genau zwischen uns springt er rein, sein Bodyguard und ein Kameramann hinterher und weg waren sie.
Wir konnten nur lachen. Es war unglaublich. Ausgerechnet zwischen uns schüchternen Mäusen, die immer lieber etwas mehr Abstand haben als zu wenig… ich glaube jeder andere hätte sich mehr gefreut und wäre ihm um den Hals gefallen. Naja dann folgten zwei Songs auf der B-Stage, ein paar von seinen Hamburger Kumpels saßen dort mit ihm ums Lagerfeuer. Gesehen haben wir es nur auf dem Bildschirm, aber die Atmosphäre war ziemlich schön.
Danach kam er zurück, lief einmal den gesamten Bühnengraben entlang und hat mit den Leuten abgeklatscht. Ich hatte den Eindruck, dass er bei uns vielleicht eine Sekunde länger stehen geblieben ist, unsere Hand gedrückt hat und wir hatten sogar für einen Moment Blickkontakt. Zack, war ich wieder 15, so schnell kann es gehen hahahaha.
Dabei habe ich bei Johannes Oerding gar nicht so sehr dieses fanatische Verehren in mir. Zumindest nicht mal im Ansatz so wie ich es mal bei Sunrise Avenue hatte oder bei Milow. Ich finde ihn aber unglaublich toll und feiere das einfach sehr, wie sehr er Musik lebt. Das ist einfach so schön zu sehen!
Es gab auch immer wieder ganz ruhige Momente und wenn ich ehrlich bin, finde ich das ja immer die Allerschönsten. Wenn so eine ganze Halle kurz mal leise ist und einfach zuhört, während eine traurige Geschichte erzählt wird. Auf diesem Ton endete das Konzert dann auch nach über zweieinhalb Stunden.
Ich zehre noch jetzt über zwei Monate später viel Energie aus diesem Abend. Mir haben richtig die Worte gefehlt für dieses Konzert. Es war einfach perfekt!
Das Ende vom Lied war dann, dass die Komplizin und ich ganz kurz überlegt haben, doch noch zum Heimspiel von Johannes im Hamburger Fußballstadion zu fahren. Eigentlich hatten wir das von vornherein aus diversen Gründen ausgeschlossen. Aber das Konzert war einfach so ein Brett, dass es plötzlich doch wieder zur Option wurde.
Nach einigem hin und her haben wir uns schlussendlich aber dagegen entschieden. Stattdessen haben wir dann Tickets für das Konzert in Gotha gekauft. Dort spielt er Mitte August in einem Schlosshof und mit Philharmonieorchester. Leute, mein Kopf explodiert, wenn ich daran nur denke. Das kann nur richtig richtig gut werden!!!
Ganz nebenbei hat mir das auch mal wieder eine Sache bewiesen: wenn man die richtige Entscheidung trifft, dann spürt man das schon irgendwie. Denn terminlich passt das eigentlich alles gar nicht und geplant war es ja wie beschrieben auch überhaupt nicht, aber trotzdem kam bis jetzt noch nicht eine Sekunde des Zweifels auf.